Juni 2019

Dr. Anne Sittl E-Mail: anne.sittl@gmx.de +49 176 3873 5090 / 9131 81130 60

Juni 2019

Liebe Verwandte, Freunde und Interessierte unserer Projekte in Ghana,

drei ghanaische Ärzte*innen arbeiten in unserem Gesundheitszentrum „Medical Center Brafoyaw“: Dr. Elisabeth Momade, Dr. Kweku Abban und Dr. Ibrahim Baffuor. Da wir zwar die Genehmigung der lokalen Distriktbehörde, aber noch nicht die des Gesundheitsministeriums in Accra für den offiziellen Klinikbetrieb haben, arbeiten die drei Kollegen*innen abwechselnd ehrenamtlich. Alle drei setzen sich mit großem Engagement für die Kranken in Brafoyaw und den übrigen Dörfern des Abura-Asebu-Kwamankese (AAK)-Distrikts ein, die nun endlich einen Arzt in ihrer Nähe haben.

Die Mehrzahl unserer Patienten sind Kleinbauern, die in harter Arbeit ohne technische Geräte auf ihren Feldern Mais, Maniok und etwas Gemüse anbauen, sowie Fischer, die auf ihren kleinen Booten aufs offene Meer fahren. Dabei müssen sie immer größere Strecken zurücklegen, können aber dennoch nur noch höchstens halb so viele Fische wie ihre Väter fangen, weil internationale Fangflotten mit riesigen Schleppnetzen das Meer dauerhaft überfischen.

Die 12 Männern eines ghanaischen Fischerboots fangen in ihrem ganzen Leben nicht so viele Fische wie einer der ausländischen Trawler, die bis zu 250 Tonnen Fisch täglich fangen und an Bord weiterverarbeiten

Nachts sind die Fischer auf dem Meer, tagsüber werden die Netze repariert

Ein Großteil unserer Patienten ist auch noch im Kindesalter. 48% der Bevölkerung des Abura-Asebu-Kwamankese (AAK)- Distrikts sind unter 18 Jahre und allein in einem Umkreis von 5 km um unsere Klinik sind 5000 Schüler*innen in Internatsschulen untergebracht. Dies bedeutet große Herausforderungen für das medizinische Personal unserer Klinik:

Medizinisch: Zwar ist die Ausbildung von Ärzten*innen und Schwestern in Ghana sehr gut und praxisnah, jedoch gibt es nur wenige Fachärzte für Kinderheilkunde.

Finanziell: In unserer Klinik können wir zwar die meisten der akuten und chronischen Krankheiten therapieren, die bei Kindern besonders wichtigen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen übernehmen, kleinere Verletzungen behandeln und auch Erste Hilfe bei Notfällen leisten. Allerdings müssen wir bei notwendigen Operationen die kleinen Patienten entweder in die nahe gelegene Universitätsklinik von Cape Coast bringen, wo jedoch nur einmal pro Woche ein kinderchirurgisch ausgebildeter Arzt mit den entsprechenden Instrumenten zur Verfügung steht, oder sie in die 150 km entfernte Universitätsklinik in der Hauptstadt Accra überweisen. In diesen Fällen können wir mit unserem klinikeigenen Auto zumindest dafür sorgen, dass die kleinen Patienten auf dem Schoß von Mutter oder Vater transportiert werden. Jedoch können die Eltern selten die Kosten für Benzin und Fahrer, geschweige denn für die Operation aufbringen. Häufig müssen sie von ihrem wenigem Hab und Gut verkaufen, was sie können, auch bei Verwandten und Freunden Geld sammeln gehen, was jedoch oft viel zu lange dauert.

Ich bitte Euch deshalb um Hilfe für Kinder wie den 6 Wochen alten Kobis, der wegen einer Verengung des Magenausgangs keine Nahrung bei sich behalten konnte und ohne rechtzeitige Operation nicht überlebt hätte, die 13 Jahre alte Hanna, die an einer Blindarmentzündung fast gestorben wäre, oder die 5-jährige Mercy, die wegen schweren Verbrennungen intensivmedizinisch behandelt werden musste.

Und auch in unserer Klinik sind wir auf Spenden angewiesen, wenn wir wie bei dem kleinen Benjamin bei einer schweren Infektion ein zweites teures Antibiotikum einsetzen müssen, das die Eltern nicht bezahlen können.

Der 6-jährige Emmanuel kann dank einer Operation nach einem komplizierten Beinbruch mit seinen Freunden wieder um die Wette laufen

Eine weitere Herausforderung sind die immer noch viel zu häufigen Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen. Da für fast alle religiösen Gemeinschaften Verhütung und Geburtenkontrolle ein „Reizthema“ ist, das restriktiv und tabuisierend behandelt wird, haben wir uns entschieden, zumindest vorerst nur die Frauen (seltener auch Männer) zu beraten, die zu uns in die Klinik kommen. Dass ihre Fragen zu Sexualität und Verhütung ohne erhobenen Zeigefinger sondern zugewandt und sachlich beantwortet werden, ist für viele der jungen und auch älteren Frauen, die schon mehrere Kinder haben, eine neue Erfahrung, die sie gerne annehmen. Um in unserer klinikeigenen Apotheke Verhütungsmittel günstig an Patientinnen abgeben zu können, benötigen wir Eure Hilfe.

Nach fast 10 Jahre in Ghana bin ich um viele Erlebnisse und Begegnungen reicher und natürlich auch älter geworden. In der Gewissheit, dass engagierte Ghanaer*innen, die Projekte, die ihr mit so viel Geduld und Bereitschaft unterstützt, erfolgreich weiterführen, habe ich mich entschlossen, öfters in Deutschland zu leben und in Erlangen auch wieder in eigener Praxis tätig zu sein. Selbstverständlich werde ich weiterhin regelmäßig in Ghana sein, mitarbeiten, „nach dem Rechten sehen“ und natürlich Euch per Rundbrief und auf der Internetseite www.ghana-freunde-takoradi.de informieren. Und vielleicht gibt es auch wieder neue Ideen? Über Eure Kritik und Vorschläge freue ich mich.

Mit vielen Grüßen und den besten Wünschen für einen wunderbaren Sommer

Anne

Spenden bitte mit Angabe von Namen und Adresse auf folgendes Konto:

Ghana-Freunde-Takoradi e.V.

Konto 100-606405 bei der VR-Bank EHH BLZ 763 60033

IBAN: DE88 7636 0033 0100 6064 05 BIC: GENO DEF1ER1